Bidspirit auction | Alexander Keirincx: Waldlandschaft mit rastender


Alexander Keirincx: Waldlandschaft mit rastender Gesellschaft bei der Falkenjagd - Alexander Keirincx Waldlandschaft mit rastender Gesellschaft bei der Falkenjagd vor 1620 Öl auf Holz; gerahmt 53 x 89 cm seit mehreren Generationen in österreichischem Privatbesitz Das vorliegende Gemälde zeigt den klassischen Aufbau der flämischen Landschaft im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts. Die linke Bildhälfte mit der rastenden Jagdgesellschaft wird dabei von dichtem Wald eingenommen, dessen schier unendliche Vielfalt in den unterschiedlichsten Grüntönen, Blatt- und Lebensformen dargestellt wird – von saftigen, monumentalen Eichenkronen, über expressive Holzformen abgebrochener Stämme bis hin zu dem zartblühendem Bodenbewuchs. Eine in dieser Zeit erstmals aufkommende, malerische Huldigung des Waldes als unverzichtbare Ressource und gesellschaftlichem Erholungsraum zugleich. Rechts hingegen öffnet sich ein weites Flusstal, welches vorbei an einer Anlegestelle und einer in ihren Architekturformen verspielten Stadt sich im fernen Hintergrund durch eine gebirgige Landschaft schlängelt. Das typisch Farbspiel von erdigen Tönen im Vordergrund, Smaragdgrün im Mittelbereich und leuchtendem Blau im Hintergrund kommt hier besonders zur Geltung. Die Jagd erlebte in den südlichen Niederlanden zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein großes, wiederaufblühendes Interesse – gefördert durch die von Erzherzog Albrecht und seiner Gattin Isabella im Jahre 1600 und 1613 erlassenen Jagdparagrafen zum Schutz der Wälder und Wildtiere. Die das Bildthema bestimmende Figurenszene einer rastenden Jagdgesellschaft gibt in ihrer reizvollen Darstellung einen detaillierten Einblick in die historischen Jagdgebräuche: So sitzt mittig ein vornehmes, elegant gekleidetes Paar, welches darauf verweist, dass die Jagd damals in Flandern dem selbst Grund besitzenden Adel vorbehalten war und auch zu den favorisierten Freizeitunterhaltungen der habsburgischen Erzherzöge zählte. Da derartige Jagddarstellungen besonders für diesen exklusiven Kundenkreis attraktiv waren, kann davon ausgegangen werden, dass auch vorliegende Komposition für diesen geschaffen wurde. Auf dem schmalen Waldweg hin zur Lichtung erscheinen die Jagdgehilfen mit einem Falken auf dem Arm und umringt von differenziert dargestellten Jagdhunderassen, welche zum Aufstöbern und Apportieren der Beute verwendet wurden. Eine historische Besonderheit ist die nur selten dargestellte Falkentrage (auch Cage oder Catsche genannt). Das Holzrahmengestell wurde mit den darauf sitzenden und mit Haube bedeckten Falken von einem Träger (Gageträger), der mittig im mit Gurten befestigten Gestell stand, ins jeweilige Jagdgebiet getragen. ”Die Beizjagd, das heißt die Jagd mit abgerichteten Falken auf Federwild, gehörte seit der Antike zur ”edlen”, affektfreien Kunst des Jagens, der man in der Gesellschaft von Damen nachgehen konnte. ” (vgl. Ursula Härting, 2008: Noble Jagdstillleben. Beginn und Blüte, S. 215-223, in: Die Magie der Dinge, Stilllebenmalerei 1500-1800, Ausstellung: Städel Museum 2008, Kunstmuseum Basel 2009, S .215ff.). Zuletzt unterstreicht die prominente Platzierung der ”Vögel” vor dem sich sehr nahekommenden Paar diese weitere, für den damaligen Betrachter eindeutig lesbare, erotische Komponente des Gemäldes. Der aus Antwerpen stammende Alexander Keirincx absolvierte seine Lehrzeit bei Abraham Govaerts (1589-1626), dem flämischen ”Waldmaler” per se. Bereits 1618/19 wurde er selbst Meister in der Antwerpener Lukasgilde, arbeitete jedoch, wie gar von Keirincx selbst signierte Gemeinschaftsarbeiten belegen, weiter mit Govaerts zusammen. Vorliegendes Gemälde stammt eben aus dieser Frühzeit von Alexander Keirincx und ist ihm durch seine charakteristischen Stilmerkmale eindeutig zuordenbar: u.a. durch die Verwendung der stahlgrauen Töne in den für ihn typisch glatt gestalteten Baumstämmen und die detailliert kleinteilige Ausarbeitung des Hintergrunds. Bislang war die Komposition nur durch zwei weitere Werke überliefert: Zum einen in einer späteren, ca. um 1700 entstandenen Kopie des böhmischen Landschaftsmalers Johann Jakob Hartmann (1658-1736), welcher sich auf die Wiederholung bzw. das Arbeiten im Stile der traditionelle Flämischen Landschaft um 1600 spezialisiert hatte (Christie’s London, 21. April 1989, Lot 62A, Öl auf Holz, 58 x 89 cm). Des Weiteren in einer als Abraham Goveaerts angebotenen Tafel mit größeren Maßen (Christie’s London, 15. Dezember 1978, Lot 123, Öl auf Holz, 74 x 105 cm), welche heute anhand der überlieferten Fotos jedoch wohl ebenfalls Alexander Keirincx zugeordnet werden kann (vgl. Ursula Härting und Kathleen Borms, Abraham Govaerts. Der Waldmaler (1589-1626), Antwerpen 2003, S. 62f.). Alexander Keirincx Forest landscape with resting company during a falcon hunt before 1620 oil on panel; framed 53 x 89 cm since several generations, private property,